Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung und sucht nach Spuren
VON CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER


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Stadtarchivar Joachim Kuschke mit einem Teil des Betonkreuzes für Georg von Borries. Rechts im Bild das Grabmal der Borries-Schwiegereltern Adolf und Katherine von Kryger.
Zerstörungswut | FOTO: CARO

Löhne. Es ist still im Ulenburger Wald. Ab und an zwitschern Vögel. Kaninchen rascheln im Laub. Hier hat der ehemalige Ulenburger Gutsbesitzer und Mindener Landrat Georg von Borries die letzte Ruhestätte seiner Familie gebaut.

Vergangenen Montag entdeckten Spaziergänger die vier Grabstätten in ungewohntem Zustand. Die Gräber der Borries-Schwiegereltern Adolf und Katherine von Kryger und des Ehepaars Georg und Martha von Borries wurden geschändet: Grabplatten wurden heruntergerissen, Betonkreuze zerstört. Massive Blöcke aus Granit liegen auf dem Waldboden herum.

Gestern machte sich Stadtarchivar Joachim Kuschke ein Bild von der Verwüstung im Ulenburger Wald. "Ich frage mich, was die Täter hier gesucht haben", sagte Kuschke. "Dieser Friedhof liegt nicht an den Wanderwegen."

Schätze gebe es dort nicht, deshalb verstehe er nicht, warum die Grabplatten herunter gerissen worden seien, so Kuschke. Er vermutet: "Das war reine Zerstörungswut. Um diese Denkmäler zu zerlegen, braucht man Kraft."

Die Polizei hat Strafanzeige wegen Sachbeschädigung gestellt, eine Spur gibt es noch nicht. "Im Kreis Herford gab es in der vergangenen Woche zwei ähnliche Vorfälle, allerdings müssen die nicht zwangsläufig etwas mit der Zerstörung in Löhne zu tun haben", erklärte Polizei-Pressesprecher Joachim Thater-Klas.

Ein kleiner Pfad, umringt von Eiben führt zu der Grabstelle im Ulenburger Wald. Das Wasserschloss und der Schlosspark sind rund 600 Meter entfernt. Im Stadtarchiv gibt es nicht viele Informationen über das Erbbegräbnis. "Die Grabstelle ist kein eingetragenes Denkmal", erklärte Kuschke.

Im Jahr 1907 erhielt Familie von Borries die Genehmigung, im Ulenburger Wald Familienmitglieder beizusetzen. "Eine Grabstätte mitten im Wald ist sehr ungewöhnlich, schließlich benötigte die Familie eine Sondergenehmigung", sagte Kuschke. "Es gibt zwar noch andere Familiengrabstätten in der Umgebung, aber nicht mitten im Wald."

Bereits im Jahr 1908 wurden die Schwiegereltern des ehemaligen Gutsherren von Borries Gustav Adolf und Katherine von Kryger im Ulenburger Wald beigesetzt. Im Jahr 1922 folgte dann Georg von Borries. Als letzte wurde seine Frau Martha auf dem Privatfriedhof beigesetzt.

Richard Wilde macht am 7. September 2012


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eine neue Entdeckung.

 

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