Grete

[Margarete]

* 12. Januar 1953 in Graz
gestorben 03.07.2015 in Großmutschen

Dr. med.

Nach dem Abitur 1971 Studium der Medizin an der Uni Graz und Uni Wien
Nach Abschluss des Studiums arbeitete sie an der Uni Wien (Institut für Sozialmedizin)

Musste diese Tätigkeit wegen ihrer Krankheit aufgeben und lebt seit 1992 abwechselnd in Griechenland und Österreich

verheiratet am 11.Juli 1980 mit
Dr. med. Bernd Karetta in Graz
Er arbeitete nach Abschluss des Studiums auf der Uni Wien
(Institut für Allgemeine und Vergleichende Physiologie)

Gab seinen Beruf auf um für seine Frau dazusein

Der letzte Satz
„Endlich!", juble ich und lege meine Füße auf den Tisch, denn ich habe es geschafft. Dreihundertsechsundzwanzig Seiten liegen vor mir. Nein, sie liegen natürlich nicht, sondern befinden sich auf der Festplatte, aber auf jeden Fall sind es dreihundertsechsundzwanzig Selten, freue ich mich. Und das nach zwei Jahren Arbeit. Denn tatsächlich habe ich solange an diesem Text gearbeitet, der nun fertig ist, was aber auch nicht ganz stimmt, das mit dem fertig sein, denn es fehlt noch der letzte Satz, verdammt noch Mal. Denn auf den letzten kommt es an, obwohl sich die meisten mit dem ersten beschäftigen, da er der wichtigste ist, sagen sie, und das nachfolgend Geschriebene uninteressant, sind sie überzeugt, was aber Unsinn ist, weshalb ich nach dieser kurzen Unterbrechung meine Füße wieder vom Tisch nehme, setze mich gerade hin und überlege. Denn was soll der beste Text mit einem hervorragenden Anfang, wenn der letzte Satz misslingt. Dann waren doch all meine zuvor geschrieben Seiten umsonst. Sie werden zerstört, mehr noch, sie werden der zerstörenden Lächerlichkeit preisgegeben, weiß ich, weshalb der schwierigste Teil meines Textes noch vor mir liegt, schießt es mir durch den Kopf, während ich nervös an meinen Nägeln kaue und eintippe und kaue und das Eingetippte laut lese, immer wieder, was mich nicht zufriedener macht, diese leider missglückten Versuche, weshalb ich erneut eintippe und umstelle. Und rangiere mit meinen Wörtern, bis sich alles in meinem Kopf dreht. Und kann nicht mehr denken, ich bin so erregt, weshalb ich schnell aufspringe, um mich unter die kalten Dusche zu stellen. Was mir gut tut. Und so setze ich mich erfrischt und mit neuen Ideen vor den Computer und schreibe ihn hin, ohne Unterbrechung, meinen perfekten Satz mit seinen vier Wörtern. Und bin erlöst, denn der Text, er ist vollendet. Was aber ein Irrtum ist, obwohl der Satz der beste ist von all meinen bisher geschriebenen Sätzen. Aber er passt nicht zu meinen Text, fluche ich! Denn er hebt ihn auf, mehr noch, er kehrt ihn um, ins Gegenteil, weshalb ich das Undenkbare tun muss, obwohl es niemand verstehen wird, da mich alle für verrückt halten werden, was ich anscheinend auch bin, verrückt und nicht bei Verstand, aber werde dennoch, um meinen perfekten letzten Satz zu retten, die zuvor geschriebenen Seiten vernichten. Und markiere sie tatsächlich. Drücke „delete". Und beginne von vorne.

Mutter: Hildegard
Geschwister Reinhard::::Peter